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Mit unterschiedlichen Horn-Mundstücken üben?

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Von einem aufmerksamen Leser der McAfee Hornschule erreichte mich die folgende Frage:

Ich blase in der oberen Etage, also den Violinschlüssel von unten eins gestrichenen C  bis 2 Oktaven höher mit einem engen kleinerem Trichter Mundstück von Yamaha 32C4. Den Bassschlüssel mit JK Exclusive W 01BK, einem mit größerem Trichterkessel im Bassschlüssel. Bei diesem Mundstück habe ich einen weicheren Klang, komme  aber nur "piepsig" auf das Hohe C  im Violinschlüssel.

Jetzt meine Frage: soll ich die Übungen stets auf meinem gewohnten Mundstück JK blasen, und komme ich durch  die  Übungen auch in die Höhe C+D?

 

Das Yamaha 32C4 wird bei Yamaha als Mundstück mit U Kessel klassifiziert und hat einen inneren Randdurchmesser von 17,48 mm, eine Bohrung von 3,98 mm und der Kessel ist eher (mittel-)flach. Der Rand ist "semi-flat" also eher flach und die Bohrung ist mit  "Standard" bezeichnet. Das Mundstück hat anscheinend auch einen eher breiten Rand.

Siehe Yamaha Mundstücke: Bezeichnung interpretieren.

Das JK Exclusive W01BK hat eine deutlich größere Bohrung (4,6 mm), und einen 18,5 mm inneren Randdurchmesser. der Rand ist ebenfalls eher Breit. Der Kessel ist tief.

Siehe Josef Klier Mundstücke: Spezifikationen der Mundstücke.

Damit verhalten sich die Mundstücke bei dem Hornisten, der die Frage stellte, genau so, wie dies von den entsprechenden Mundstücken erwartet werden kann, denn generell gelten die folgenden Faustregeln:

Je kleiner die Bohrung, desto leichter die Höhe, schwieriger die Tiefe - der Ton verliert an Volumen.

Je flacher der Kessel, desto leichter die Höhe, der Ton spricht schneller an - wird aber klarer, trompetenhafter, metallischer.

Ein bauchiger Kessel erleichtert die Ansprache und ist etwas sicherer beim Anblasen von hohen Tönen, der Klang ist aber "schmetternder" und die Bindungen gelingen oft nicht mehr so weich.

Diese Regeln sind nur ein grober Anhalt und können bei jedem Hornisten stark variieren - wie bei einem Stecker und einer Steckdose kommt es nämlich darauf an, wie die Physiognomie und Geometrie von Mund, Lippen, Gebiss und Kiefer zum Mundstücke paßt. Auch hier gibt es eine Faustregel, an der man sich orientieren kann: der Ring, der durch den inneren Durchmesser des Mundstücks gebildet wird, sollte ca. 1/3 der Lippen von linkem zu rechtem Mundwinkel einschließen.
Bei eher breiten Lippen würde ich einen eher breiten Rand wählen, bei eher schmalen Lippen einen eher schmalen Rand, hier ist ggf. ausprobieren angesagt. Viele Mundstückhersteller wie Werner Chr. Schmidt (Neukirchen), Engelbert Schmidt oder Bruno Tilz bieten Mundstückberatung an und senden häufig Mundstücke auch zum Ausprobieren nach hause zu.

Ich schicke diese Hinweise vorweg, denn man muß sich klar sein, daß das Mundstück, das ja die Verbindung von Körper zu Horn darstellt, einen großen Einfluß auf Lippenmuskeln, Luftführung und Atemstütze hat. Um also die beteiligten Muskeln und das Gedächtnis nach dem Prinzip der Verstärkung von im Gehirn bereits vorhandenen Bewegungsprogrammen auf immer die gleiche Art zu konditionieren würde ich antworten:

- ich selbst habe auch ein Diskant Mundstück, das ich für sehr hohe Passagen gekauft habe. In der Regel wird die Höhe einfacher, wenn die Bohrung des Mundstücks enger und der Trichterkessel flacher ausfällt. Um zu vermeiden, zwei unterschiedliche Ansätze für zwei unterschiedliche Mundstücke zu üben, habe ich das Diskant-Mundstück mit dem identischen Durchmesser und Randbreite anfertigen lassen, wie das Mundstück, das ich in der Regel blase.

- Ich übe grundsätzlich immer nur auf einem Mundstück. Ich habe zwar einige Mundstück inzwischen gesammelt, aber die Übungen der McAfee Hornschule führe ich grundsätzlich immer auf einem - "meinem" - Mundstück aus. Ich habe mein Mundstück ausschließlich nach den klanglichen Eigenschaften in der Mittellage ausgewählt, nehme also das Mundstück, mit dem mir der Ton (in einer Aufzeichnung) zwischen c' und c'' am besten gefällt. Diesen Klang versuche ich dann in die Höhe und die Tiefe "mitzunehmen" bzw. so zu üben, daß in Höhe und Tiefe der Klang identisch gelingt.

- Um auch die unbewussten Bewegungsabläufe und die Lippenmuskeln immer auf die gleiche Art und Weise zu konditionieren, spiele ich sowohl in die Tiefe als auch in die Höhe immer nur mit "meinem" Mundstück. Dabei versuche ich sowohl den Tonraum, evtl. Brüche als auch die Klangqualität an den schönsten Klang (um das g' herum) anzunähern.

- Um herauszufinden, welches Mundstück ihrer beiden für die Übungen am besten geeignet ist, empfehle ich, die Übung zum Stimmen des Horn zu verwenden. Ich zeichne das auf (das geht mit einem Mobiltelefon) und messe mit einem Stimmgerät den ersten Ton und die Töne mit einer Fermate (S. 52, erste Zeile reicht, Griffe sind B-Horn Griffe, also B-Horn leer - Triller köanen Sie weglassen). Das Mundstück, das bei allen bezeichneten Tönen der Übung auf dem Stimmgerät die geringste Abweichung von der Stimmung zeigt, ist wahrscheinlich am ehesten geeignet, um damit systematisch zu üben. Wichtig ist bei dieser Übung zum Stimmen, daß man sich den Tönen mit der Fermate von "oben" nach einem raschen Aufstieg nähert, da ansonsten das "Ohr" die Intonation - z. B. beim Aufstieg - unmerklich "korrigiert" und das Stimmgerät immer eine korrekte Stimmung anzeigt.

- Auf ein anderes Mundstück - z. B. das Diskantmundstück - wechsele ich dann nur in Ausnahmefällen und nur, wenn das entsprechende Stück auch "dran" ist.

- Zum Thema: komme ich mit der Zeit auch auf ein und demselben Mundstück - z. B. durch die Übungen der McAfee Hornschule - in die Höhe? Höhe ist primär eine Funktion von Geschwindigkeit der Luft. Je größer die Luftmenge, desto mehr Kraft benötigt man, um die Luft zu beschleunigen. Die Übungen "Elefantenrufe in hoher Lage" sind speziell dazu geeignet, den Körper auf die Beschleunigung der Luft vorzubereiten. Mit Zeit und entsprechender Arbeit für die Höhe (ebenfalls die Übung "Tonleitern über 3 Oktaven") wird man in Lage sein, auf ein und demselben Mundstück auch sehr hoch zu spielen.

Wie beschrieben versuche ich mit einem Mundstück alle Lagen, Dynamiken und Klangfarben abdecken zu können.

Die einfache Antwort von mir lautet also: beim Üben von Etüden und der Arbeit an Technik, Intonation, Tonumfang, Klang und Flexibilität immer ein und dasselbe Mundstück verwenden.

Weiterhin wünsche ich: Horn spielen mit Spaß!

 

 

 

 

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