Tipps

Lippenspannung auf dem Horn in tiefer Lage - Übung

(15 Votes)

Lerntheoretisch ist das Erlernen eines Instruments "kinesthetisches Lernen". Kinesthesie bedeutet Bewegungsempfindung und ist als „Fähigkeit, Bewegungen der Körperteile unbewußt zu kontrollieren und zu steuern“ definiert. Man lernt kinesthetisch, indem man Bewegungsabläufe praktisch ausführt und dadurch in Gehirn und Muskel den Ablauf speichert (Details dazu in meinem Buch "Hirn, Hand, Horn"). Genau das tun wir, wenn wir unser Instrument üben – die notwendigen Bewegungen von Zwerchfell, über Kiefer und Lippen bis hin zu Zunge und Lungen und Fingern und Hand werden gemeinsam immer koordiniert ausgeführt, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen – die Rückkopplung passiert dann ebenfalls sinnlich, im gleichen Augenblick über unser Gehör und die weiteren sensomotorischen Rezeptoren unseres Körpers.

Bewegungsabläufe, Haltung und Körpergefühl werden in unserem Körpergedächtnis gespeichert. Die folgende Übung hilft, besonders Ansatz, Lippenspannung und Gesichtsmuskelspannung im Körpergedächtnis zu speichern und so immer wieder (auch unbewusst) abrufbar zu machen.

Basis der Übung ist die Erzeugung des Tons OHNE Anstoß mit der Zunge (auf englisch „Breath Attack“) - also nur durch Anblasen des Tons mit dem Luftstrom. Der Luftstrom soll gleichmäßig bleiben – versuchen Sie nicht, durch Veränderung der Luftmenge oder Luftgeschwindigkeit den Anstoß zu ersetzen! Versuchen Sie den Luftstrom auf der blauen Linie zu halten bzw. der grauen Linie anzunähern um einen vollen "runden" Klang zu erreichen.

Ein Tipp: es kann bei dieser Übung helfen, die Übungsfolge aufzuzeichnen und direkt nach jeder Sequenz anzuhören.

In den meisten Fällen spricht der Ton beim Anblasen ohne Stoß bzw. Zungenanstoß nicht sofort an. Als ich diese Übung zum ersten Mal gezielt ausgeführt habe, lagen zwischen Anfang meines Luftstroms und dem vollen, runden Ton einige Achtelnoten, in denen nur „Zischen“ bzw. „Luftrauschen“ zu hören war.

Ziel der Übung ist es, den vollen, runden Ton, bei gleichmäßiger Lautstärke nach so kurzer Zeit nach Einsetzen des Luftstrom wie möglich zu erreichen.

 

Hinweise:

Diese Übungen sollen vor allem das Gefühl für die notwendige Lippenspannung im Körpergedächtnis speichern. Dadurch, daß ich den Anstoß mit der Zunge weglasse, entfällt ein Bewegungsablauf und die entsprechenden Sinneseindrücke (Zungenbewegung, Gefühl der Zähne etc.) und der Fokus kann leichter auf die Spannung der Lippen- und Gesichtsmuskeln gelegt werden.

- Ich führe diese Übungen auch mit geschlossenen Augen aus.

- Bevor ich beginne, die Luft strömen zu lassen, begebe ich mich bewusst auf eine kleine Reise durch den Körper: wie fühlen sich meine Hände & Arme an? Wie ist meine Haltung? Spüre ich den Widerstand der Drückerplatten für den nächsten Ton, den ich spiele?

- Wenn der vorangegangene Ton gut gelungen ist: Ich versuche bewusst die Spannung in Lippen und Gesicht wahrzunehmen, die vom vorangegangenen Ton geblieben ist.

In den Übungen habe ich die Töne absichtlich als einzelne 16tel Noten dargestellt - spielen Sie immer eine ganze Note, achten aber darauf, wann Sie beginnen die Luft einzublasen, wieviele 16tel später der Ton tatsächlich einsetzt und nochmal wieviel später der Ton zum vollen und runden Klang "aufgeblüht" ist.

Übung 1 – vom c‘ bis g‘ aufwärts

Ziel der Übung ist es, idealerweise alle drei markierten Zeitpunkte (rot, gelb, grün) deckungsgleich und so weit als möglich an den Anfang des Taktes zu verschieben. Die Zeitpunkte können am Anfang des Lernprozesses noch relativ weit auseinanderliegen, sollten sich aber mit fortschreitender Zeit immer weiter nach links bewegen.

Zuerst kann darauf geübt werden, den gelben und grünen Marker übereinander zu bringen, also beim Erklingen des Tons sofort in stabilem mf mit vollem Klang, ohne ein überschlags- oder peitschendes Geräusch am Tonbeginn zu spielen. Der Ton soll direkt „sitzen“.

Mit der Zeit wird dann der Zeitpunkt des Einsetzens des Tons und der Zeitpunkt, an dem begonnen wird, Luft einzublasen, sich ebenfalls aufeinander zubewegen.

Waldhorn lernen Übung 1 für den Ansatz

 

Übung 1 mehrfach wiederholen. Am besten nicht sofort Übung 2 anschließen.

 

Übung 2 – vom g‘ bis c‘ abwärts

Das Horn vor dieser Übung absetzen. Dann analog zu Übung 1 vom g‘ abwärts spielen. Immer mit dem Atem anblasen, keine Zunge bzw. keinen Anstoß einsetzen.

Waldhorn lernen praktische Übung 2 

 

Übung 3 – vom c‘ bis F abwärts

Das Horn vor dieser Übung absetzen. Dann analog zu Übung 1 vom g‘ abwärts spielen. Immer mit dem Atem anblasen, keine Zunge bzw. keinen Anstoß einsetzen. Das ist auf dem B-Horn einfacher, wenn es gut funktioniert, sollte man auf das F-Horn wechseln und die gleiche Sicherheit auch auf dem F-Horn erreichen.

Waldhorn mit Spaß üben Praxis Übung 3

 

Tonraum nach unten ausweiten

Wenn Sie den Tonraum bis zum F sicher beherrschen, können Sie nach unten weiter ausbauen. Je tiefer das volle Tonvolumen ohne „Nebengeräusche“ ohne Anstoß sicher beherrscht wird, desto besser. Der fehlende Anstoß ermöglicht es, zu beurteilen, ob Ansatz und Lippenspannung von Anfang des Tons an korrekt gespannt und positioniert waren.

Achten Sie dabei auch immer auf die Position des Unterkiefers und die „Lage“ des Tons an der Notensohle (s. a. "McAfee Methode").

Neuerscheinung - Hirn, Hand, Horn

Neuerscheinung - Hirn, Hand, Horn -

Ein neues Buch mit Erkenntnissen aus Hirnforschung, Sportwissenschaft und Lernforschung. Übertragen auf das Erlernen des Waldhorn-Spiels.

Keine Hornschule, sondern eine Anleitung, das Beste aus den Hornschulen, Etüden und Lehrbüchern herauszuholen.

Jetzt bis 19. Juni 2020 bestellen und einen von 10 Ansatztrainern gewinnen.

 

 

 

Tobias Heinz

Meine Seite verwendet ausschließlich technisch notwendige Cookies, die benötigt werden, damit der Webauftritt funktioniert.